Bin wieder mal auf der Suche nach Literatur-Empfehlungen.

Ich suche Bücher zur Geschichte der Taxonomie (psychiatrischer) Erkrankungen.

Ich würde zu gern wissen, wie, wann und wo sich welche Leute begegnet sind, damit soetwas Drolliges entstehen konnte, wie die jetzigen Krankheiten-Klassifikationssysteme #ICD und #DSM.

#Taxonomie #Geschichte #Psychiatrie #Gesundheit #Medizin #Pathogenese #Literatur #Empfehlung

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in reply to Torsten
Lies mal auf der site der apa nach, da findest du sicher was zum dsm. Warum drollig?
Das eine Klassifikationssystem benutzen vor allem Arzte und das gesundheitssystem, nur die F-erkrankungen betreffen die psyche. Das dsm (aktuell nummer 5) wird vor allem zu forschungszwecken in der psychologie und der psychiatrie benutzt, da es recht präzise und wirklich immer up to date ist. Das opd erfasst die strukturachsen der psyche und ist etwas anders aufgebaut und ist ein eher psychanalytisches instrument. Wie gesagt: warum drollig?
in reply to (((chaospunk)))

@(((chaospunk)))

Danke für die Literaturhinweise. OPD hab ich mich noch nicht mit befasst. Schau ich mal an. "Even the rat was white: A historical view of psychology" (in den Literaturhinweisen der APA-History) sieht auch vielversprechend aus.

Drollig weil Symptome, die völlig divergieren unter dem selben Namen firmieren. Bei Schizophrenie z.B. die katatone Form, bei der sich Menschen nicht bewegen können und die hebephrene bei der sich Menschen abfällig äußern.

Drollig auch, weil die Hilflosigkeit der Wissenschaft ggü. einem Phänomen wie "Wahn" in diesen Kategorisierungen erfahrbar wird. Gerade Jaspers Definiton von "Wahn" (von wann, von 1923?), nach der ja immer noch diagnostiziert wird, kann man vom naturwissenschaftlichen POV komplett in die Tonne treten. Für Krankenkassen reicht es aber immer noch.

in reply to (((chaospunk)))

@(((chaospunk)))
Ich befasse mich damit, weil ich in einer Gesellschaft lebe, in der diese Phänomene eine Rolle spielen. Und weil ich mich für die Geschichte von Taxonomien interessiere. Was wiederum daran liegt, dass diese Geschichten unglaublich unterhaltsam und bildend sind. (z.B. "Warum es keine Fische gibt" von Lulu Miller oder "The brothers Gardener" von Anne Wulf). Ich hatte gehofft (und tue es immer noch), dass es über die Ordnung der Krankheiten ähnliche Geschichten gibt.

Jaspers vermutlich im Jahr 1913 in seiner "Allgemeine Psychopathologie“ erschienene Wahnkriterien (1. die subjektive Gewißheit, 2. die Unkorrigierbarkeit durch Erfahrungen oder zwingende logische Argumente und 3. die Umöglichkeit des Inhaltes) werden heute nach wie vor angewendet um Menschen zu diagnostitzieren und zu behandeln. - Es macht mich sprachlos, dass wir heute noch den selben Shit über menschliche Wahrnehmung denken, wie ein in Bücher vernarrter Philosoph (das war Jaspers mehr als dass er Arzt war) vor 110 Jahren. Und wie die Nazis vor 75 Jahren.