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Items tagged with: avantgarde
Ich bin inzwischen die meiste Zeit zu #swrkultur gewechselt, obwohl ich #klassik nicht besonders mag (*). Aber die Wortbeiträge in den anderen #SWR Sendern sind mir oft zu flach und die Witzeleien in #SWR3 finde ich inzwischen eher nervig.
(*) es gibt dort auch #Jazz, #Weltmusik und #avantgarde , aber halt schon echt viel #Klassik...
Man kann Laibach auf keinen Fall vorwerfen, immer denselben Kram zu produzieren.
Das nächste Album "Musick" (VÖ 01. Mai) wird mal wieder ganz anders 😅
Laibach - Allgorhythm (feat. Wiyaala)
youtube.com/watch?v=erR5PSfKo7…
#music #musick #avantgarde #pop #industrial
Laibach - Allgorhythm (feat. Wiyaala) [Official Video]
Allgorhythm, from upcoming new album by Laibach - MUSICK, out 1 May. Pre-order/save: https://mute.ffm.to/laibach-musick Listen to Allgorhythm: https://mute.f...Laibach (YouTube)
Did you at my one point wonder, why in 1982 suddenly German songs like Trio's "Da Da Da" or Nenas "99 Luftballons" entered the international charts and - at least Trio - where slightly unusual?
From what scene did they emerge from?!
You may find out during the upcoming
RADIO IRRTUM! Special. About the NDW that wasn't
(on air from Berlin)
Deutsch Version of this announcement here:
- mastodon.de/@herr_irrtum/11511…
Da next issue of #RadioIrrtum! will air this Saturday, 2025/08/30, 8:00pm UTC+2, Berlin time. At Alex Berlin FM at 91MHz / DAB+ K7D around #Berlin + worldwide at alex-berlin.de/radio-livestrea… .
Why? What is this?
#Radio Irrtum! is a German language (usually) #radioShow exploring the sonic vastness of the #underground. Emitted transmissions may raise attention for new unheard #music all over this planet's genre spectrum. Don't worry about that German language - it's about the music!
Well about the latter… not this time! Neither will I talk in German the whole time but mostly in English! Because this matter is too important for the World to know (I think). Nor is this new music. But music mostly from 1979-1981, the small time frame before the "real" Neue Deutsche Welle ("NDW") broke all over, the thing the music industry transformed it into (a cash cow), something completely different compared to what its pioneers intended.
This is about those pioneers. Sick of art, or progressive rock, and punk they wanted to do something completely off limits, something completely new, something "Anti music" that still somehow was "music". Just so different. A one in a thousand years moment where people tried to get on a different track. A moment that didn't come back since.
This radio special can only cover the surface of that super diverse scene; a scene agreeing on one thing only: About not doing rock music.
Which will make this special issue maybe the most complicated, hard to get into Radio Irrtum! show ever. But if you make it, you will be rewarded, yes rewarded, with most unusual concepts in music, with humor in music (yes! - not just in text) and all in all something, you may carry with you for your whole life. If you are open to it. I mean it. I certainly did.
So: Can you stand it? Are you up to the task?
One more thing: I've prerecorded this not knowing, that Alfred Hilsberg (Zickzack Label) would leave this planet forever some days later. This show is dedicated to him. Thanks Alfred, for the sonic light you carried.
I'll post playlist + manuscript later here (provided I’m home, else it will come up the day after). And if you have questions? I'll gladly answer! Just ask!
CU all on Saturday! :)
#Avantgarde #experimentell #Antimusic #neueDeutscheWelle #ndw #noNDW #KeineNeueDeutscheWelle #strangeMusic #Germany1980 #genialeDilletanten #radioArt
Habt Ihr Euch schon mal gefragt, warum 1982 plötzlich deutsche Songs wie Trios „Da Da Da“ oder Nenas „99 Luftballons“ fett in die internationalen Charts einstiegen obwohl sie – zumindest im Fall von Trio – eher ungewöhnlich waren?
Welcher Bewegung sind die eigentlich entsprungen?!
Das erfahrt ihr im kommenden
RADIO IRRTUM! Spezial. Über die NDW, die es nie geben sollte
Englische Version dieser Ankündigung hier:
Die nächste Ausgabe von #RadioIrrtum! läuft diesen Samstag, den 30.08.2025, um 20:00 Uhr über Alex Berlin auf 91 MHz / DAB+ K7D in #Berlin und weltweit unter alex-berlin.de/radio-livestrea… .
Warum? Was ist das?
#RadioIrrtum! ist eine #Radiosendung, die die klanglichen Weiten des #Undergrounds erkundet. Die ausgestrahlten Wellen lenken Eure Aufmerksamkeit auf neue, ungehörte #Musik (normaler Weise), und decken dabei ein unglaublich großes Spektrum an Genres ab.
Dieses Mal ausnahmsweise in großen Teilen in (einfacher!) englischer Sprache – damit die ganze Welt davon erfahren kann. Es geht natürlich diesmal nicht um neue Musik. Sondern um Musik hauptsächlich aus den Jahren 1979–1981, dieser kurzen wilden Zeitspanne, bevor die „echte“ Neue Deutsche Welle („NDW“) überall durchbrach. Also, das, wozu die Musikindustrie sie machte (ein gewinnorientiertes kommerzielles Etwas) – nämlich zu etwas ganz Anderem als das, was ihre Pioniere beabsichtigten.
Und genau um diese Pioniere soll es gehen. Sie hatten genug von Kunst, Progressive Rock und Punk und wollten etwas völlig Außergewöhnliches machen, etwas völlig Neues: „Anti-Musik“, die trotzdem irgendwie „Musik“ war. Ein Moment, den es nur einmal in tausend Jahren gibt, in dem die Leute versuchten, einen anderen Weg einzuschlagen. Ein Moment, der seitdem nicht wiederkehrte.
Dieses Radiospezial kann nur einen Teil dieser extrem vielfältigen Szene abdecken; einer Szene, die sich nur in einem einig ist: Unter keinen Umständen Rockmusik zu machen.
Damit ist diese Sonderausgabe vielleicht die komplizierteste und am schwersten zugängliche Radio-Irrtum!-Sendung aller Zeiten. Aber wenn ihr Euch traut, werdet ihr belohnt mit höchst ungewöhnlichen Konzepten in der Musik, mit Humor in der Musik (ja! – nicht nur im Text) und insgesamt etwas, das euch vielleicht ein Leben lang begleiten kann. Wenn ihr dafür offen seid. Bei mir ist das jedenfalls so.
Also: Könnt ihr das aushalten? Seid ihr der Aufgabe gewachsen?
Playlist und Manuskript später hier drunter (vorausgesetzt, ich bin zu Hause, sonst kommt es erst übermorgen). Und falls ihr Fragen habt? Ich antworte gerne! Stellt sie einfach!
Eins noch. Ich habe die Sendung aufgenommen, ohne zu wissen, dass wenige Tage später Alfred Hilsberg (Zickzack Label) diesen Planeten für immer verlassen würde. Diese Sendung sei ihm gewidmet. Danke, Alfred, dass Du uns all diese neuen klingenden Wege aufgezeigt hast!
Bis Samstag dann! :)
#Avantgarde #experimentell #Antimusic #neueDeutscheWelle #ndw #noNDW #KeineNeueDeutscheWelle #strangeMusic #Germany1980 #genialeDilletanten #radioKunst
Radio Livestream | ALEX Kosmos
ALEX Kosmos ist die digitale Mediathek von ALEX Berlin: TV und Radio Livestreams, Videos, Radiosendungen, Podcasts und mehr im ALEX Kosmos entdecken & 24/7 hier streamen.www.alex-berlin.de
Dokumentation über Avantgarde-Musikerin
Björk war regelrecht starstruck
Von Stephanie Grimm
Die 82-jährige Meredith Monk gewann den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk der Biennale Musica. Nun kommt die Dokumentation „Monk in Pieces“ ins Kino.
#taz #tageszeitung #Avantgarde #Biennale #Venedig #Musik #Film #Dokumentation #Hochkultur #Björk #New #York
Argentinische Rockband Reynols: Der spitze Schrei von Villa 31
Selten gehörte Freiheit zwischen Luxusimmobilie und Slum-Wolkenkratzer: Die Band Reynols lebt auch von ihrem unzähmbaren Größenwahn.taz.de
Kennt jemand experimentelle / Avant-Garde Musik, die sich der #Hammond Orgel bedient?
Bei YouTube finde ich nur braves Zeug.
#ExperimentelleMusik #FreieMusik #AvantGarde #Music #Musik #Organ #Clonewheel
#music #avantgarde #alien #popmusik #berlin
Rampen (apm: alien pop music) von Einstürzende Neubauten
Avantgardejazz-Gitarrist:in Jules Reidy: Meditation über Verletzlichkeit
Die australische Künstler:in Jules Reidy erweitert das Klangspektrum der Gitarre – und ist eines der Aushängeschilder des Festivals CTM in Berlin.#CTMFestivalBerlin #elektronischeMusik #Jazz #Avantgarde #Musik #Kultur
Jüdischer US-Jazz: Musik voll Vitalität und Schönheit
John Zorns Bandprojekt Masada hat sich einer „Radical Jewish Music“ verschrieben. Aufnahmen aus den 1990ern sind erstmals in einem Boxset gesammelt.taz.de
#kunst #kultur #literatur #theater #politik #kommunismus #avantgarde #geschichte
„Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.“
- Bertolt Brecht, Me-Ti. Buch der Wendungen
Der Nicht-Tui: Bertolt Brecht zum 125. Geburtstag
Faschistische wie liberale Antikommunisten haben versucht sein Werk auszumerzen: Die Faschisten verbrannten seine Bücher im Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz. Sie hätten ihn auch umgebracht, wäre er nicht wenige Wochen zuvor, am Tag nach dem Reichstagsbrand, geflohen – zunächst für einige Jahre ins Exil nach Dänemark und dann über Schweden, Finnland und die Sowjetunion schließlich nach Santa Monica an der US-amerikanischen Pazifikküste. In den USA zerrte man ihn wenige Jahre später, zu Beginn des „Second Red Scare“, also der zweiten Welle der Kommunistenverfolgungen in den USA (1947-1957), mit Hunderten anderen Intellektuellen vor das „House Committee of Un-American Activities“. Und nach seiner Rückkehr nach Europa belegte ihn das Bürgertum in der postfaschistischen Bundesrepublik und in Österreich zunächst mit Aufführungsboykotten oder versuchte sein durch und durch politisches Werk zu entpolitisieren.
Totzukriegen war der vor 125 Jahren, am 10. Februar 1898, im bayrischen Augsburg geborene Schriftsteller Bertolt Brecht jedoch nicht: Schon in den frühen 1920er Jahren war der Dramatiker, Lyriker und Belletrist eine lebende Legende. Und bis heute kann man ihn mit Fug und Recht als den bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker der Welt bezeichnen.
In den westlichen Besatzungszonen hatte man Brecht die Einreise verwehrt. Auch auf die Bemühungen seiner Berliner Freunde, nicht zuletzt Wolfgang Langhoff vom Deutschen Theater, zog er 1948 nach Berlin in die Sowjetische Besatzungszone und spätere DDR. Das „Theater am Schiffbauerdamm“, das bis heute das Brecht-Theater „Berliner Ensemble“ beherbergt, wurde zu seiner neuen Heimat. Von hier ging sein globaler Einfluss aus. Sein „episches Theater“, seine theoretisch unterfütterten Überlegungen zum „Verfremdungseffekt“ und die Überwindung der „Guckkastenbühne“, der spezifische Einsatz von nichtaristotelischen Lied-Chorälen revolutionierten das moderne Theater weltweit. Es gibt ein internationales Theater vor und ein internationales Theater nach Brecht. „It’s very Brechtian“ gehört zum Arsenal heutiger Theaterkritiken ganz selbstverständlich dazu, denn Brechts Handschrift und die Übernahme seiner Techniken durch nachgeborene Stückeschreiber*innen sind unverkennbar. Ohne ihn gäbe es heute weder Tony Kushner noch Osvaldo Dragún.
Als Marxist liebte Brecht das Historische, das materialistische Denken und die Dialektik. Sein philosophisch-aphoristisches Hauptwerk „Me-ti: Buch der Wendungen“ war in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren neben den Marx’schen „Grundrissen der politischen Ökonomie“ und den Schriften des italienischen Marxisten Antonio Gramsci eine wesentliche Lektüre für die Wiederentdeckung eines unverknöcherten, lebendigen Marxismus. Der Philosoph Wolfgang Fritz Haug erhob Brecht später zusammen mit Gramsci zurecht in den Stand eines marxistischen Philosophen erster Güte. Für Brecht, der seinen Marxismus in der Mitte der 1920er Jahre im Umfeld der KPD – Mitglied wurde er indes nie – und von Intellektuellen wie Karl Korsch, Ernst Bloch, Fritz Sternberg und seinem engen Freund Walter Benjamin lernte, waren alle scheinbaren Dinge in Wirklichkeit Verhältnisse und (Entwicklungs-)Prozesse. Und so sah er auch sich selbst, als Intellektueller in einem Netz von Beziehungen, im Kollektiv, im Bund mit den revolutionären Teilen der organisierten Arbeiter*innenbewegung. Für die ich-fixierten Intellektuellen hatte er nur Spott übrig.
Mithilfe der Dialektik lässt sich auch der Schriftsteller selbst entschlüsseln: Brecht war Sohn eines Prokuristen und späteren Direktors einer Papierfabrik, also Sohn bürgerlicher Funktionseliten. Aber er liebte Arbeiter*innen, Gosse, Kleinkriminelle und den Boxkampf. Und er beging konsequenten Verrat an seiner Herkunftsklasse, indem er sein Denken und Schreiben in den Dienst der sozialistischen, revolutionären Arbeiter:innenbewegung stellte.
Brecht kritisierte nun nicht die Gier einzelner kapitalistischer Gauner, sondern wollte den Kapitalismus als System abschaffen und durch die klassenlose Gesellschaft, durch den Kommunismus ersetzen. Aber er beharrte darauf, dass die „Kapital-Verbrecher“, die „Charaktermasken“ des Kapitals auch „Name und Anschrift“ haben. Gegen sie schrieb er Texte wie „Das Lied vom Klassenfeind“.
Brecht war ein weitläufig gebildeter, sich ständig weiterbildender Großintellektueller. Aber er misstraute seiner Zunft grundsätzlich, nannte sie ziel- und erkenntnislose „Tuis“ (Tellekt-Uell-Ins“), die ihren Intellekt vermieten, „Bemäntler“, „Weißwäscher“, „Kopflanger“ der Bourgeoisie. Sei es, weil sie sich unmittelbar und bewusst in den Dienst der Verteidigung der bestehenden Eigentumsordnung und Machtverhältnisse stellten oder durch apolitische Haltungen und Eskapismus aus dem Streit der Welt herauszuhalten trachteten. Hiergegen forderte Brecht ein „simples Denken“, das gesellschaftliche Zusammenhänge erhelle statt sie zu verrätseln, das in Zustände des Unrechts eingreife und sich ins Handgemenge mische statt schöngeistig nur sich selbst zu gehören.
Brecht war mithin ein großer Kritiker des Formalismus, spottete über die Formalisten, die aus einem Lorbeer eine Kugel zu formen trachten, bis vom Lorbeer, also dem Inhalt, nichts mehr übrig ist. Dennoch verteidigte er im „Expressionismusstreit“ mit Georg Lukacs auch die modernen Literaturtechniken: den Gedankenassoziationen im Kopf wiedergebenden „Bewusstseinsstrom“, den inneren Monolog, die Montage, also das Zusammenfügen verschiedener Textgattungen, oder das filmisch beschreibende „camera eye“, so wie sich diese Erzählformen in der Literatur der Zeit finden ließen, bei John Dos Passos, James Joyce, Virginia Woolf, William Faulkner oder Franz Kafka. Die Vorstellung, dass sozialistische Literatur sich ausschließlich am bürgerlichen Realismus des 19. Jahrhunderts zu orientieren und, darauf aufbauend, einen „sozialistischen Realismus“ zu entwickeln habe, lehnte Brecht ab.
Brecht kritisierte aufs Schärfste und verspottete mit beißender Ironie die bürgerliche Moral, rechts- wie linksliberal. Sicherlich wäre er, um die jüngste Frage der FAZ zu beantworten, heute nicht im wohlfeil-moralinsauren Sinne des Wortes „woke“. Aber er fühlte zutiefst egalitär, solidarisch, sozialistisch, internationalistisch und lebte seine Ideale, pflegte tiefe Freundschaften.
Brecht war ein „zoon politikon“, ein durch und durch politischer Mensch und Kämpfer. Aber er mahnte, dass der Kampf auch die Züge verzerre und betonte nicht zuletzt in seinen Gedichten, in der „Hauspostille“ und andernorts, das Sinnliche, nah am Herzen Stehende, Achtsame so sehr wie er es auch selbst lebte.
Er scharte eine Reihe der avantgardistischsten Komponisten seiner Zeit um sich, vor allem den Arnold Schönberg-Schüler Hanns Eisler, aber auch Paul Dessau und Kurt Weill. Letzterer wiederum machte ihn in den USA und der Welt berühmt. Zugleich pflegte er die Nähe zu Arbeiterschriftstellern wie Willi Bredel aus dem kommunistischen „Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller“ und Arbeiterschauspielern wie Ernst Busch oder Erwin Geschonneck, die die von Eisler, Dessau und Weill vertonten Brecht-Stücke und Lieder zur Aufführung brachten und als Massengesang in der Arbeiter*innenklasse verankerten, nicht zuletzt durch Brechts Arbeit am Film „Kuhle Wampe“.
Brecht war klug und gebildet und als „Enfant terrible“ des jungen Weimarer Theaters erfolgreich. Schon mit Anfang 20 sagte er über sich, er sei auf dem Weg zum „Weltstar“. Aber er war bescheiden genug, seine Grenzen anzuerkennen, und begab sich wieder in die Rolle des Schülers, des Lernenden, des Lesenden und studierte zum Verständnis der Funktionsweise der Weizenbörsen „Das Kapital“, wurde Marxist.
Brecht lehrte Generationen von Schüler*innen, von Manfred Wekwerth bis zu Carl „Charly“ Weber. Aber er lernte auch ständig selbst und war in diesem Sinne unserem heutigen Verständnis der dialogischen Pädagogik von Antonio Gramsci weit voraus, ein lebendes Beispiel. „Alle Menschen sind Intellektuelle, aber nicht jeder Mensch erfüllt die Funktion eines Intellektuellen“ – Brecht lebte diesen Gramscianischen Satz.
Später wurde ihm unter anderem von Johen Fuegi der Vorwurf gemacht, dass er in seinen vielen Liebschaften auch intellektuelle Vorteilsnahme betrieben habe. Der Vorwurf: Seine Stücke wären nicht ohne die Frauen in seinem Umfeld – Elisabeth Hauptmann, Ruth Berlau, Margarete Steffin – möglich gewesen. Die Brechtforscherin Sabine Kebir hat hiergegen eingewandt, dass Brecht durch und durch Feminist war. Er habe nicht nur die emotionale und finanzielle Unabhängigkeit der Liebenden als Voraussetzung für Liebesfähigkeit gesehen, sondern auch als Ghostwriter unentgeltlich für die Frauen in seinem Umfeld gewirkt, als ihre Karrieren nicht vom Fleck kamen. Auch hätten Helene Weigel und er die Frauen – für Weigel ja eigentlich Nebenbuhlerinnen – immer uneigennützig unterstützt, wo dies nötig war. So oder so: In jedem Fall entsprach dies Brechts Vorstellung von kollektivem, kooperativem Arbeiten und Verantwortungsübernahme über die Kleinfamilie hinaus. Für Brecht war dabei Liebe ganz allgemein eine „Produktion“, die „Freundschaft“ voraussetze, weil nur durch sie sich Liebe immer wieder neu herstellen könne.
Und schließlich: Der 16jährige Gymnasiast Brecht war auch einmal kriegsbegeistert und sah im Ersten Weltkrieg die Pflicht zur Verteidigung des Vaterlands, als die russische Armee in Ostpreußen einmarschierte und man im Westen gegen den französischen Erzfeind kämpfte. Aber er erkannte, wie so viele Schriftsteller seiner Zeit, bald seinen fürchterlichen Irrtum und schrieb alsbald Antikriegsgedichte wie „Die Legende vom toten Soldaten“. Und später sein berühmtes Drama „Mutter Courage und ihre Kinder“, „Schwejk im Zweiten Weltkrieg“ und die „Kriegsfibel“.
Begraben liegt Bertolt Brecht heute auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte, wo sie – fast – alle liegen, die ihn inspirierten, die mit ihm lebten, liebten und kämpften: Der große Dialektiker Hegel, Helene Weigel, Ruth Berlau und Elisabeth Hauptmann, die Brecht-Komponisten Hanns Eisler und Paul Dessau, die Zeitgenossinnen aus dem Umfeld des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller Anna Seghers, Elfriede Brüning und Wieland Herzfelde, die Regisseure Wolfgang Langhoff, Slatan Dudow und Peter Palitzsch, die Brecht-Schauspieler Erwin Geschonneck, Ekkehard Schall und Gisela May, Peter Palitzsch, seine Tochter Barbara Brecht-Schall, der Brecht-Herausgeber Werner Hecht und der ohne Brecht undenkbare Heiner Müller.
Brecht ruht so direkt neben dem Haus, in dem er in Ostberlin zusammen mit Helene Weigel lebte, und in dem heute das Literaturforum im Brecht-Haus sein Zuhause hat. Der Mensch, dessen grundsätzlicher Antikapitalismus für das Bürgertum so unbequem war, dass man ihn und sein Werk auszulöschen versuchte, bleibt lebendig und aktuell. Denn die Aufgabe, das Privateigentum an den Produktionsmitteln abzuschaffen, die Klassengesellschaft zu überwinden und eine neue Welt, in der der Mensch dem Menschen kein Wolf mehr, sondern ein Helfer ist, ist nach wie vor unverwirklicht.
- von Ingar Solty (Referent für Friedens- und Sicherheitspolitik am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Redakteur der Zeitschrift LUXEMBURG.)