Don's kleine KI-Geschichte der Woche
Die Industrieplanungsfirma IndPlan AG macht gute Geschäfte und hat einen stabilen Kundenstamm, manche Kunden seit dreißig Jahren. Sie hat 50 Mitarbeiter und macht sich Gedanken um ihre Zukunft. Deshalb plant sie, zusammen mit der aktuellen Belegschaft ihre Prozesse durch KI zu unterstützen. Zwei Jahre dauert das, und es sind anstrengende zwei Jahre, aber am Ende braucht sie für ein Projekt im Mittel nur noch 700 statt 1000 Stunden. Niemand hat gehen müssen. Die Zeichnungen, Berechnungen und Berichte entstehen deutlich schneller. Was blieb, sind die Abstimmungen zwischen den Abteilungen und die Schleifen, wenn der Kunde etwas ändert. Die gewonnene Zeit steckt die Firma in ihre Projekte, sie rechnet gründlicher als früher und prüft zweimal, wo einmal genügt hätte. Vor jeder Abgabe wird es trotzdem eng, und dann bleiben alle länger, so wie sie es seit zwanzig Jahren tun. Auf die Qualität hat die Firma immer großen Wert gelegt, die KI also nur als Werkzeug eingesetzt, nie als autonomes System.
Zur gleichen Zeit gründen einundzwanzig Leute die neue KiIndPlan AG. Ein Geschäftsführer. Neun Fachverantwortliche mit großer Erfahrung, für Produktionsplanung, Fabriklayout, Logistik, Verfahrenstechnik, Energie, Bau, Kostenrechnung, Einkauf und Automatisierung, jeder entscheidet in seinem Gebiet allein. Drei Ingenieure Anfang dreißig, die jeweils drei dieser Gebiete als zweite Kraft unterstützen. Sechs Berufsanfänger. Und zwei, die selbst nicht mehr planen, sondern nachsehen, ob das Ganze zusammenpasst. Weil es kaum Abteilungen gibt, prüfen sie dabei alles im Überblick.
Die Struktur wird von Anfang an über ein agentisches KI-System und einen zentralen Datenhaushalt aufgebaut, auf den alle zugreifen. Es gibt kaum Übergabepunkte, weil es kaum Abteilungsgrenzen gibt. Die finalen Entscheidungen treffen immer die Fachverantwortlichen.
Ein Projekt kostet KiIndPlan im Mittel 600 Stunden. Ein Teil davon geht dafür drauf, dass die Anfänger Dinge selbst durchrechnen, die das System längst fertig geliefert hätte. Angeboten wird es zum selben Preis wie bei IndPlan. Verdient wird trotzdem, weil es bei einundzwanzig Leuten wenig zu verwalten gibt.
Was übrig bleibt, gibt die Firma an die Leute weiter. Die Gehälter liegen deutlich über dem Branchenschnitt. Änderungswünsche des Kunden laufen zuerst durch das Datenmodell und nicht durch die Nächte der Mitarbeiter. Enge Wochen gibt es trotzdem, wenn ein Kunde seine Annahmen umwirft oder eine Behörde spät antwortet. Sie sind seltener geworden und kürzer. Freitags wird nicht geplant, sondern gelernt, gezeigt und erklärt, für alle einundzwanzig.
Den ersten Entwurf zeigt KiIndPlan am nächsten Tag, vollständig animiert. Gerechnet hat sie zwölf. Mitgebracht hat sie drei, und dazu die Begründung, warum sie einen empfiehlt.
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#AI#KI#Geschichte#Veränderung