Das geheime Energienetz im Waldboden
Der größte Teil der Energie in einem Wald fließt nicht über der Erde, sondern im Boden. Gemeint ist die chemische Energie, die Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht aufbauen. Wenn Blätter, Wurzeln oder Holz absterben, wird diese Energie von unzählogen Organismen im Boden aufgenommen und über viele Fressbeziehungen im Bodennahrungsnetz weitergegeben.
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Senckenberg Museums für Naturkunde untersuchte solche Netzwerke an 32 Waldstandorten zwischen Deutschland und Vietnam.
Dafür erfassten die Forschenden zahlreiche Gruppen von Bodentieren, darunter kleine Fadenwürmer, Springschwänze (wie im Bild) und Milben, aber auch größere Tiere, und berechneten aus Körpergröße, Häufigkeit und Stoffwechsel, wie Energie durch diese Lebensgemeinschaften im Boden verteilt wird.
Dabei zeigte sich, dass in tropischen Wäldern insgesamt mehr Energie durch die Bodennahrungsnetze weitergegeben werden als in gemäßigten Wäldern. Gleichzeitig verändert sich die Zusammensetzung der Akteure. In den Tropen sind größere Bodentiere stärker beteiligt und Räuber-Beziehungen kommen häufiger vor.
In gemäßigten Wäldern spielt dagegen der Abbau angesammelten Laubs eine größere Rolle. Dort gelangt die Energie zunächst über Pilze und Bakterien in das Nahrungsnetz und wird erst danach von Bodentieren weitergereicht.
Gemeinsam bilden diese vielen Organismen das „Bodenpersonal“ des Waldes. Jede Gruppe übernimmt dabei eigene Aufgaben im Kreislauf von Zersetzung, Nahrung und Verbreitung.
Oft wird gesagt, dass insbesondere Regenwürmer wichtig für den Boden sind. Das stimt natürlich, aber sie machen den Job nicht allein. Erst das Zusammenspiel vieler kleiner und größerer Bodenbewohner hält dieses verborgene Netzwerk unter unseren Füßen am Laufen.
Quelle:
Potapov et al. (2026), nature communications
doi.org/10.1038/s41467-025-680…
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